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FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG - Den Hackern keine Chance

FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG - Den Hackern keine

FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG MONTAG, 6. SEPTEMBER 2021 · NR. 206 · SEITE 23 Den Hackern keine Chance Auvesy spürt steigende Nachfrage nach Datensicherung in der Industrie geg. FRANKFURT. Produktionsdatenmanagement hört sich ebenso langweilig und trocken an wie Lagerbuchhaltung. Beides ist aber absolut unerlässlich für ein funktionierendes Unternehmen. Wer einen Produktionsausfall erlebt hat, weiß, wie wichtig es ist, danach die Systeme schnell wieder hochfahren und zuverlässig auf die aktuellsten Daten zugreifen zu können. Ein Hersteller einer dafür ausgelegten Sicherungssoftware ist das pfälzische Unternehmen Auvesy GmbH in Landau. „Wir sind Ihr Partner für maximale Ausfallsicherheit, minimalen Stillstand sowie hohe Qualitäts- und Sicherheitsstandards in der industriellen Automatisierung“, heißt es in der Eigenwerbung. Tim Weckerle, Vorsitzender der Geschäftsführung, sieht sein Unternehmen in der Position eines Weltmarktführers, sozusagen eines Hidden Champions aus Deutschland. Es gebe nur zwei bedeutende Mitbewerber in Amerika, einen wie Auvesy herstellerunabhängigen und einen innerhalb des Rockwell- Konzerns. Auvesy habe daher viele große Steuerungssystemhersteller als Partner wie Siemens, Mitsubishi oder Schneider Electric. Die Kunden sind aber die Anwender dieser Steuerungen. Auf der Kundenliste von Auvesy stehen daher auch Namen wie Stihl, Braas (Dachziegel), Thyssenkrupp, VW, Audi, Tesla, Nestlé, Bayer oder Amazon. „Ein großer Automobilkonzern lässt jede Nacht durch uns die Daten von 12 000 Produktionsmaschinen sichern. Zusätzlich erstellen wir ein Abweichungsprotokoll zum Soll dieser Anlagen“, beschreibt Weckerle den Umfang der Aufgaben. Die Auvesy-Software werde aber auch häufig in stark regulierten Branchen wie Pharma oder Lebensmittelproduktion eingesetzt, „weil wir immer nachweisen können, unter welchen Bedingungen und mit welchen Werten eine Produktionsanlage vor zwölf Monaten gelaufen ist“, sagt We - ckerle. Produktionsdatenrückverfolgung und Sicherung der Daten vor einem Stillstand waren bis vor wenigen Monaten die Hauptgründe für den Einsatz der Auvesy-Software. Das hat sich in den letzten Monaten stark geändert, weil ein ganz neues Verkaufsargument hinzugekommen ist. Nach den Hackerangriffen auf Unternehmen in diesem Frühjahr verspürt Weckerle geradezu einen Nachfragesprung. „Wir können Hackerangriffe nicht abwehren“, gibt Weckerle zu. „Aber wir haben die Produktionsdaten von vor zwei Tagen extern gespeichert und können diese sofort freigeben.“ Das ist dann besonders wichtig, wenn ein Hacker aktuelle Daten durch Verschlüsselung blockiert haben sollte. Zudem habe Auvesy die gesamte Datenvergangenheit. „Alle Daten bis kurz vor der Korrumpierung durch den Hacker sind so schnell wieder herstellbar und einsetzbar.“ Das Thema Cyber Security habe Auvesy neue Kunden zugeführt, darunter zum Beispiel den Flugzeughersteller Airbus. Mit den neuen Themen habe Auvesy auch ganz andere Ansprechpartner bei den Kunden. Datenschutz in der Produktion für Fälle des Produktionsstillstandes oder der Instandhaltung waren Sache der Produktionsleiter oder Einkäufer. Für den Datenschutz (Cyber Security) interessieren sich die höchsten Entscheidungsebenen wie Risikomanager, Chief Digital Officer oder Chief Information Officer, also Vorstandsmitglieder. Den neuen Wachstumsschritt wird das Unternehmen mit einem neuen Eigentümer machen. Vor wenigen Wochen hat der Investor Hg Capital mehr als 70 Prozent der im Jahr 2007 gegründeten Auvesy von dem deutschen Private-Capital-Investor Brockhaus übernommen. Wer künftig die 15 Prozent der bei dem Management liegenden Anteile halten wird, ist nach Weckerles Worten noch nicht entschieden. Der Investor Hg habe schon Beteiligungen in der Softwarebranche, die in Summe auf eine Größe des Weltkonzerns S AP kommen, sagt Weckerle. Von diesen „neuen Schwestergesellschaften“ erwarte er deshalb auch weitere Synergieeffekte und Wachstumsschübe, vor allem durch Kooperationen im Vertrieb. Auvesy betreue heute mehr als 5 Millionen Anlagen in mehr als 45 Ländern. Seit dem Frühjahr steige der Umsatz zwischen 20 und 30 Prozent. Im vergangenen Jahr waren mit knapp 100 Mitarbeitern unverändert 12 Millionen Euro umgesetzt worden. © Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten. Zur Verfügung gestellt vom

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